DeafGain Lab

  SignGes Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen SignGes (v. l.) Horst Sieprath, Bastian Staudt, Sabine Kortlepel, Isa Werth, Klaudia Grote, Svetlana Matiouk, Jan Schumacher

Im April 2016 wurde am SignGes das DeafGain Lab gegründet. Unter der Leitung von Dr. Klaudia Grote wird dort an verschiedenen Forschungsfragen und –projekten gearbeitet, die auf der These basieren, dass die Verwendung einer Gebärdensprache zu einer spezifischen Art von semantischer Wissensorganisation führt, die sich von der unterscheidet, die man bei Nicht-Gebärdensprachverwendern findet. Dieser Einfluss von Laut- oder Gebärdensprache auf die Organisationsprinzipien des konzeptuellen semantischen Systems wird als
‚Modality Relativity‘ (Grote, 2013) bezeichnet. Es ergeben sich bezüglich dieser These verschiedene Forschungsfragen in thematisch unterschiedlichen Bereichen.

Dabei ist die interdisziplinäre Forschungsgruppe, bestehend aus RWTH-Mitarbeitern verschiedener Institutionen und Fachrichtungen sowie externen Fachleuten, nicht nur allgemein an der Frage interessiert, wo und wie ein Einfluss der Sprachmodalität zu verzeichnen ist, sondern vor allem auch an ‚DeafGain‘, also an der Innovationskraft, die sich aus Modality Relativity generieren läßt.

Letzteres findet sich vielfach in interdisziplinären Kontexten, beispielsweise in der Architektur, wo Studierende in Veranstaltungen zur bildnerischen Gestaltung mittels der Gebärdensprache lernen, Formen, Bewegung, Räume etc. zu beschreiben und darüber ein ‚Embodiment‘ erfahren, das der Entfremdung entgegenwirkt, die sie durch die zunehmende Digitalisierung der Entwurfsprozesse (‚Virtual Natives‘) erfahren.
Ein anderes Beispiel betrifft Informatikstudierende, die begeistert sind von den Ideen gehörloser Kollegen für ‚Interactive Design‘ von Mensch-Maschine-Schnittstellen.

Ein weiterer wichtiger Bereich betrifft das Thema ‚Deaf Didactics‘. Wir gehen davon aus, dass sich aus den Unterschieden in der Wissensorganisation bei tauben Signern und hörenden Non-Signern auch Unterschiede in der Didaktik für hörbehinderte Menschen ableiten sollten. Unter 'DeafDidactics' werden Methoden der Vermittlung (und Übersetzung) von Wissen aus der hörenden Welt in die gehörlose verstanden. Deswegen lassen sich diese Prinzipien auch auf Dolmetschprozesse ('DeafInterpreting) übertragen, weil nicht nur lediglich von einer Sprache in die andere übersetzt wird, sondern stets die Kultur, die Wissensorganisation und die modalitätsbedingten visuellen Kompetenzen von Gehörlosen im Prozess des Übersetzens mit berücksichtigt werden müssen. Auch das Erlernen einer Fremdsprache kann durch den Einsatz von Gebärden, die dann gestisch verwendet werden, profitieren. Oder eine Redner kann mittels der Gebärdensprache seinen mündlichen Aussagen durch Gebärden im Raum mehr Ausdruckskraft zu verleihen.

Aus den vielfältigen Konsequenzen, die ‚Modality Relativity‘ mit sich bringt, hat das DeafGain Lab verschiedene Forschungsansätze entwickelt, aus denen heraus bislang eine Masterarbeit, eine Promotionsarbeit und ein
Forschungsprojekt entwickelt wurden.

Folgende Forschungsthemen werden im DeafGain Lab in den Blick
genommen:

  1. ‚Deaf Didactics‘
    (Klaudia Grote, Horst Sieprath, Ege Karar)
  2. Wissensorganisation und Dolmetschprozesse
    (Klaudia Grote, Bastian Staudt)
  3. Modality Relativity in DeSign - Experience, Embodiment and technology Design
    (Svetlana Matiouk und Klaudia Grote)
  4. Grammatiktraining mit Gebärdensprache
    (Bastian Staudt und Klaudia Grote)
  5. Wissensorganisation, Gedächtnis und Kinästhetik
    (Klaudia Grote, Jan Schumacher und Sabine Kortlepel)
  6. Space, Body and (De)Sign
    (Hannah Groninger, Horst Sieprath & Klaudia Grote)
  7. Gestik in gebärdensprachlichen Beschreibungen
    (Klaudia Grote, Horst Sieprath, Irene Mittelberg)