DeafDidaktik

  Gehörloser Dozent berichtet über DeafDedaktik Urheberrecht: SignGes  

Eine Didaktik für Signer*Innen

Seit 2016 wird am Kompetenzzentrum für Gebärdensprache und Gestik (SignGes)
der RWTH Aachen in der Arbeitsgruppe DeafDidaktik der Frage nachgegangen,
inwieweit die Modalität einer Sprache nicht nur einen Einfluss auf die Organisation von
Wissen hat, sondern ob sie auch bei der Vermittlung von Wissen in Gebärdensprache
bezüglich der Inhalte, Struktur, Methoden und Materialien eine Rolle spielen sollte.
Forschungsergebnisse zeigen, dass die Verwendung der Gebärdensprache einen Einfluss
auf kognitive Verarbeitungsprozesse und semantische Wissensorganisation hat.
Somit sollte für den schulischen Unterricht bei tauben Schüler*innen berücksichtigt
werden, dass diese Wissen anders organisieren und eine andere Lernkultur benötigen
als hörende Peers. Die reine Übersetzung lautsprachlich vermittelter Lerneinheiten
durch Gebärdensprachdolmetscher*innen oder ein bilingualer Unterricht reichen nicht
aus. Eine Kohärenz zwischen der Vermittlung von Wissen und der durch Sprache
beeinflussten Wissensstrukturen sollte hergestellt werden, um so eine auf die spezifischen
Bedarfe tauber Lernender abgestimmte Didaktik, DeafDidaktik genannt, zu
entwickeln. Sie sollten eine Abkehr von hierarchisch-sequenziell aufgebauten Curricula
und einfachen linearen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen hin zu räumlich-zirkulären
und visuell-simultanen Lern- und Lebenswelten beinhalten.


Im Rahmen der Arbeitsgruppe DeafDidaktik wird der bisher bestehende
Ansatz zu einem Konzept (DeafDidaktik Index) weiterentwickelt und daran intensiv
gearbeitet sowie geforscht.


Eine Forschungsstudie DeafDidaktik im unterrichtlichen Kontext von tauben
Signer*innen ist in der Planung und soll zum Schuljahr 2020/21 an verschiedenen
Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation in NRW mit
eben solchen Schülergruppen durchgeführt werden. Das Ziel der Forschungsstudie
besteht darin, die Relevanz der Bereiche Didaktik und Sprache, Unterrichtsmaterialien
und Memorisierungstechniken/-methoden in Bezug auf den Lernerfolg der tauben
Schülerschaft, deren Zufriedenheit und Erweiterung der sprachlichen Kompetenzen
zu eruieren.


Des Weiteren ist der aktuelle Stand des DeafDidaktik-Konzeptes im Laufe
des Jahres im Rahmen verschiedener Veranstaltungen von der Arbeitsgruppe vorgetragen
worden.